Vorzeige – Eltern

 

Seid ihr immer ehrlich? Ich meine als Mamas, als Eltern? Immer öfter merke ich bei Gesprächen mit Bekannten, die auch Kinder haben, dass viele von ihnen als vorbildliche Eltern dastehen wollen. Keiner will zugeben, dass es manchmal total anstrengend ist, dass man ab und zu ratlos ist oder dass man in manchen Situationen sich selbst fragt, ob man das richtige tut. Wenn man mit ihnen spricht, dann bekommt man den Eindruck, sie haben niemals Probleme und Schwierigkeiten mit ihrem Kind, sie haben alles im Griff. Eltern- Dasein ist für sie eine rosige Wolke, auf der man die ganze Zeit schwebt. „Alles wunderbar, die/der Kleine macht alles mit! Unser Leben hat sich kaum verändert. Klar, es gibt jetzt ein bisschen mehr zu tun, aber ganz ehrlich – das macht nur Spaß!“

Diese magische Worte „das macht Spaß“ – die hört man so oft, wenn man sich mit anderen Eltern unterhält. „Gestern konnten wir unsere Tochter 3 Stunden lang nicht ins Bett bringen, aber du, das macht trotzdem so viel Spaß!“, „Ich war heute 6 Stunden mit meinem Sohn im Park unterwegs und habe mir einen Sonnenbrand geholt, weil er sein neues Dreirad ausprobieren wollte. Am Ende ist er mit Skandal Nachhause gegangen, aber kein Problem, das macht total Spaß!“, „Die kleine hat beim Essen den Saft auf mein Laptop geschüttet, weil er ihr nicht geschmeckt hat. Aber wenn ich ehrlich sein muss – das hat echt Spaß gemacht!“ Keiner sagt: „Heute war so ein schwerer Tag, dass ich nicht wusste, wie ich es bis zum Abend schaffen soll!“ oder „Manchmal ist es so anstrengend mit der Kleinen, dass ich wirklich froh bin, wenn der Tag vorbei ist“. Klar, über solche Dinge spricht man nur mit dem eigenen Mann, mit bester Freundin oder Mama, aber anscheinend darf man so etwas nicht vor den anderen Eltern in der Öffentlichkeit sagen  – ihnen macht es ja nur Spaß – rund um die Uhr, 24 Stunden am Tag.

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Prinzessin: „Wie bitte? Ich soll im Kinderwagen sitzen während du Milch, Obst und anderes langweilige Zeug kaufst?! Ich will lieber alle Regale ausräumen! Und dir macht es sicherlich auch Spaß!!! So sagst du es doch immer, oder:)?!“ Aber klar, Schatz!)

Ich weiss nicht, kann es wirklich so sein? Vielleicht gibt es tatsächlich Kinder, die den ganzen Tag ruhig in der Ecke sitzen und sich mit ihrem Spielzeug beschäftigen. Die ohne Proteste den Spielplatz verlassen, wenn die Zeit kommt Nachhause zu gehen. Die niemals schreien oder Stimmungsschwankungen haben. Die immer gut gelaunt sind und sehr gerne Obst zum Nachtisch essen. Die problemlos 1-2 Stunden mit den Eltern im Biergarten oder im Restaurant verbringen, ohne sich nur einmal zu melden. Vielleicht. Aber ich kenne sie nicht. Bei mir daheim ist immer viel los und meine Prinzessin wird ganz sicher nicht ruhig in der Ecke mit ihren Bauklötzen spielen, während ich mir bei einem Kaffe das Ende eines spannenden Films ansehe. Aber es ist natürlich möglich, dass es nur mir so geht:)

Warum dürfen die Eltern heute die eigenen Schwächen nicht zugeben? Es ist doch selbstverständlich, dass wir unsere Kinder wirklich ÜBER ALLES lieben, auch wenn sie uns den Alltag ab und zu nicht gerade leicht machen. Wieso kann man das dann nicht ehrlich sagen? Na ja, manche Dinge sind wahrscheinlich einfach so wie sie sind. Heutzutage sagt man nur: „Es ist das größte Glück, was es auf der Welt gibt und es macht so viel Spaß!!!“ und niemals „Es ist das größte Glück, was es auf der Welt gibt und es macht so viel Spaß, aber manchmal ist es auch extrem anstrengend!“

Vielleicht bin ich nur so oft den „Streber-Eltern“ begegnet oder habt ihr auch schon solche Erfahrungen gemacht? Hauptsache beim nächsten Gespräch nicht das „Es macht richtig Spaß!“ vergessen – allein schon deshalb, weil es auch tatsächlich richtig Spaß macht))))

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Stadt – Mama – Nerven

 

In habe schon viel darüber geschrieben, wie sehr sich der Alltag, die eigenen Empfindungen und überhaupt – das ganze Leben verändern, wenn man Eltern wird. Und ich bin mir sicher, dass mir alle Mütter und Väter dieser Welt in diesem Punkt sofort zustimmen können:)

Heute möchte ich über einige interessante Erfahrungen und Beobachtungen erzählen, die ich als Stadt-Mama täglich mache, und auf die ich erstaunlicherweise früher gar nicht geachtet habe. Damit meine ich: wie lebt es sich als Mama in einer Großstadt? Was erlebt man so Tag für Tag, wenn man mit dem Kinderwagen spazieren und einkaufen geht? Mit welchen Reaktionen hat man als Mutter im Alltag oft zu tun? Und vor allem: worüber regt man sich als Stadt-Mama auf? Na ja, da gibt es so einiges… Und euch fallen jetzt sicherlich auch ein Paar unangenehme Momente ein, die ihr schon erlebt habt. Auf jeden Fall bin ich davon überzeugt, dass die meisten von euch wissen werden, wovon ich rede:) Hier ist meine persönliche Liste, in der ich versucht habe meine wichtigsten Mama-Aufreger aufzuzählen:

Als Mama regt es mich auf:

  • wenn ich nach 1 Stunde erfolgloser Versuche endlich geschafft habe unsere Prinzessin ins Bett zu bringen, und in dem selben Moment fühlt sich ein stolzer Ferrari- oder Motorrad Fahrer verpflichtet allen zu zeigen wie viel PS sein „Liebling“ hat – was man selbstverständlich  im Umkreis von 50 km hören kann

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  • wenn man in den leeren Aufzug mit dem Kinderwagen steigt, und plötzlich möchten 10 andere (junge) Leute, die gerade zufällig vorbei gehen, auch mitfahren, obwohl die Rolltreppe 3 Meter vom Aufzug entfernt ist
  • (ähnlich) wenn man mal mit der U-Bahn fahren muss und jemand sich unbedingt in einen wirklich sehr sehr vollen Zug quetschen will, nach dem Motto „Da passe ich doch auch noch rein!“ – was zur Folge hat, dass das arme Kind die ganze Fahrt lang den Allerwertesten von jemandem genau vor seinem Gesicht beobachten darf. (Ich verstehe natürlich, dass jeder zur Arbeit oder nach Hause muss, aber was nicht geht – geht einfach nicht! Ich meine, ein Bär passt auch nicht in die Handtasche rein – also warum es trotzdem versuchen?)
  • wenn jemand in einem schmalen Gang eines Einkaufsmarktes vor dem Regal steht, und absichtlich nicht kurz zur Seite gehen möchte, um den Kinderwagen vorbei zu lassen (Ich rede jetzt natürlich nicht von Menschen, die einen tatsächlich nicht bemerkt haben)
  • wenn jemand verurteilende und empörte Blicke zuwirft, wenn mein Kind schreit oder weint und nicht aufhören will/kann, obwohl ich die ganze Zeit versuche es zu beruhigen. Ich bekomme gleich Wutanfälle, wenn ich mir vorstelle, was sie über meine Prinzessin denken!
  • diese komische Stufe vor einigen Läden, die so schwer mit dem Kinderwagen zu überwinden ist, dass man es manchmal einfach sein lässt, obwohl das Traumkleid 1 Meter von einem entfernt im Schaufenster hängt

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So eine Stufe ist kein Problem, aber manchmal sind sie dermaßen hoch, dass ich mich jedes Mal frage, wozu diese „Erfindung“ gut sein soll

  • wenn man eine Bank / einen Laden / ein Café mit dem Kinderwagen betreten möchte und im selben Moment jemand gerade raus- oder reingeht und einem die Tür einfach vor der Nase zuschlägt, anstatt sie aufzuhalten. Klar, niemand ist dazu verpflichtet, aber ich finde dieses Verhalten trotzdem asozial
  • Menschen, die die Strasse entlang spazieren und nur in ihr Handy schauen oder irgendetwas darin Tippen, wobei sie gar nicht mehr darauf achten wohin sie gehen – es macht ihnen auch nichts aus, wenn sie fast in den Kinderwagen reinlaufen
  • für Mamas (wie ich) sehr aktiver Entdecker:) Schlechtes Wetter – denn das bedeutet man kann nicht sehr lange spazieren gehen und die Kleinen können sich dann nicht so richtig auf dem Spielplatz austoben, was das friedliche Ins-Bett-Gehenzu zu einem  unerreichbaren Ziel macht

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Für uns (wie für viele andere Eltern) gilt: draußen gespielt – gut eingeschlafen, Zuhause auf der Couch geblieben – bis 23 Uhr keine Ruhe:))) Deshalb gehören lange Spaziergänge und Spielplatz zu unserem täglichen Unterhaltungsprogramm einfach dazu

  • unbekannte Omas oder andere Damen (und ich habe wirklich absolut nichts gegen liebe Omas), die stundenlang vor dem Kinderwagen stehen und das Kind bewundern, wobei sie auch oft Gespräche über alle möglichen Themen wie Wetter, Umwelt, Politik oder Geschichte anfangen. Ich möchte nicht falsch verstanden werden, ich rede oft und gerne mit netten Menschen auf der Straße, aber viele Mamas werden mir sicherlich zustimmen, dass es irgendwann unangenehm wird, wenn das eigene Kind von fremden (auch netten) Menschen zu lange angequatscht wird
  • Sirenen der Polizei/ das beruhigende Geräusch des Presslufthammers von der Baustelle/ Straßenfeste, die bis spät am Abend dauern – alle diese Dinge gehören einfach zum Stadtleben dazu und haben mich früher überhaupt nicht gestört. Erstaunlich, was man als Mama total nervig finden kann.
  • Fahrradfahrer, die auf dem Bürgersteig fahren (wo sie es gar nicht dürfen) und mir total genervt zu verstehen geben, dass ich sie mit meinem Kinderwagen gefälligst vorbei lassen sollte, denn ich halte sie ja nur auf!

Wow, wie es aussieht bin ich ja eine richtige Nörglerin geworden! Aber diese Eigenschaft bekommen doch so ziemlich alle Eltern, oder?

Ich muss noch eins sagen: ich gehöre sicherlich nicht zu den Frauen, die es erwarten, dass vor ihnen roter Teppich ausgerollt wird, wenn sie mit dem Kinderwagen die Strasse entlang spazieren. Oder die erwarten, dass alle Menschen um sie herum die Laune ihres Kindes einfach so akzeptieren, während sie in einem Café entspannt das Mittagessen oder ein Glas Wein genießen möchten. Ich bin der Meinung, dass alle Eltern für ihre Kinder verantwortlich sind und auch dafür, dass andere  Mitmenschen ihr Leben ganz normal weiterführen können, auch wenn sie von Kindern vielleicht nicht so begeistert sind. Eltern zu sein ist für jeden von uns eine ganz persönliche Entscheidung. Aber uns, Mamas und Papas, fällt es doch so schwer das alles nicht persönlich zu nehmen, wenn es um unsere Kleinen geht! Wir können auch bestimmt keine Liebe oder Sympathie unseren Kindern gegenüber von anderen verlangen, aber zumindest dürfen wir sicherlich ein bisschen Rücksichtnahme und einfache Höflichkeit erwarten, nicht Wahr?

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Wie denkt Ihr darüber? Gibt es bei euch auch alltägliche Situationen, die euch total aufregen?